Leider meinte es das Wetter an diesem Tag anfangs wieder nicht so gut mit uns. Das merkte ich bereits bei meinem Morgenspaziergang durch Reine. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so starken „Wind“ (wohl eher Sturm oder Orkan) gespürt zu haben, zumindest nicht an Land. Teilweise konnte ich einfach nicht gerade aus weiterlaufen, weil der Luftwiderstand so groß war. Ich habe mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, ab welchen Windgeschwindigkeiten ein Mensch wohl abheben würde. Als dann auch noch Hagelkörner so groß wie Erbsen dazukamen
, die mir unaufhörlich mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h ins Gesicht peitschten, beschloss ich, wieder umzudrehen und zurück zu unserem Häuschen zu gehen.Wir warteten noch ein bisschen bis das schlimmste Wetter vorbei war und machten uns dann auf den Weg in Richtung Süden. Viel kommt da auch gar nicht mehr, denn Reine liegt schon relativ weit im Süden der Lofoten. Allerdings gibt es noch das kleine Örtchen Å, das schon allein deshalb besonders ist, weil es wohl nicht viele Orte auf der Welt gibt, deren Name nur aus einem Buchstaben besteht.
Auf dem Weg nach Å hielten wir mal wieder am Reinehalsen, einem Aussichtspunkt mit schönem Blick über Reine. Hier oben ist es aufgrund der exponierten Lage meist noch windiger als anderswo. Doch heute kam etwas ganz besonderes dazu. Für wenige Minuten zeigte sich die tiefstehende Sonne über dem Horizont, bis sie schon bald wieder hinter den Wolken verschwand.

Diese wenigen Minuten waren wirklich ein besonderer Moment , ich kam mir fast vor wie ein Einheimischer, der seit Wochen der Polarnacht zum ersten Mal wieder die Sonne sieht. Ein bisschen kann ich mittlerweile auf alle Fälle nachempfinden, wie sich das anfühlen muss. Wir haben auch bereits festgestellt, wie schnell sich der Biorhythmus anpasst, denn pünktlich jeden Tag so gegen 14:00, wenn die Dämmerung beginnt, werden wir müde. Jedenfalls tat es an diesem Tag sehr gut, endlich mal wieder Sonnenlicht zu sehen und ich staunte, wie knapp die Sonne selbst mittags um 12:00 nur über dem Horizont stand.
In Å angekommen, wanderten wir zunächst ein kleines Stück an einem teilweise zugefrorenen und mit Eisschollen bedeckten Bach entlang.

Anschließend folgten wir noch einem Pfad aus dem Dorf hinaus in Richtung Süden, wo sich ein schöner Blick auf die weite Fjordlandschaft und auf das offene Meer bot.


Eigentlich wollten wir von hier den Sonnenuntergang beobachten, doch leider war der Himmel mittlerweile wieder wolkenverhangen.
Also machten wir uns auf den Rückweg und gingen unserer Lieblingsbeschäftigung, dem Shoppen im Supermarkt, nach. Was soll man auch sonst nachmittags machen, wenn es schon wieder dunkel wird, also warum nicht mal wieder 2,30 € für eine Gurke oder 4,10 € für eine Packung geriebenen Käse ausgeben. Als ich damals dachte Island wäre teuer, kannte ich die norwegischen Preise noch nicht …
Abends versuchten wir unser Glück mit den Nordlichtern nochmal, der Himmel war sogar teilweise klar, jedoch ging die Sonnenaktivität gegen Null, sodass dieser Versuch leider erfolglos blieb.