Rentiere und die Kultur der Samen

Unser erster Ausflug hier in der Umgebung von Tromsø war eine geführte Tour zu einem Rentier-Camp.

Als wir uns morgens zu dem Treffpunkt aufmachten, wo der Bus uns abholte, war es noch dunkel. Es war allerdings schon 09:30 … daran werde ich mich erst noch gewöhnen müssen.

Nach einer ca. 30 minütigen Fahrt hatten wir das Rentier-Camp auch schon erreicht und wurden zunächst einmal in einem großen Zelt am Lagerfeuer willkommen geheißen.

Anschließend hatten wir ausreichend Zeit, die Rentiere zu streicheln und zu füttern.

Schließlich ging es dann auch noch auf eine kurze Schlittenfahrt mit Rudolph und seinen Freunden.

Zum ersten Mal habe ich Rentiere in freier Wildbahn letztes Jahr auf Island gesehen und war schon damals total verliebt in die vierbeinigen Fellnasen. Sie jetzt noch einmal so nah erleben zu dürfen, war ein einmaliges Erlebnis.

Wir lernten zudem viel Wissenswertes über die Rentiere, wie z.B., dass die Weibchen im Winter Geweihe tragen, die Männchen ihre hingegen bereits im Herbst abwerfen. Der Grund dafür ist, dass die Weibchen im Winter trächtig sind und sich mit den Geweihen an den Futterstellen besser verteidigen können, um genug Nahrung für sich und ihre Kälber zu finden.

Außerdem erfuhren wir einiges über die Kultur der Samen, einem Naturvolk, dass Jahrhunderte lang als Nomaden von der Rentierzucht lebte. Auch heute leben noch einige Samen von und mit den Rentieren in Norwegen, Schweden, Finnland oder Russland.

Die Rentiere, die wir besucht haben, leben normalerweise das Jahr über frei in der Natur und kommen selbstständig relativ zuverlässig, sobald der Winter einbricht, zurück ins Camp. Hier sind sie geschützt vor Fressfeinden, wie z.B. dem Vielfraß oder dem Luchs. Auch Seeadler können für die Rentiere gefährlich werden, sie haben es besonders auf die Jungtiere abgesehen. Das Seeadler-Pärchen, das jedoch in dieser Region lebt, hat sich wohl ausschließlich auf Fisch spezialisiert und vertreibt andere Seeadler aus dem Revier, sodass die Rentiere hier nichts zu befürchten haben.

Anfangs stutzten wir etwas, als wir erfuhren, dass wir zum Mittagessen das typische Gericht der Samen, nämlich Rentier-Eintopf, serviert bekommen.

Zum einen wollten wir aber nicht unhöflich sein, zum anderen ist es nunmal die Lebensweise der Samen, die immerhin, wenn sie ein Rentier schlachten alles davon verwenden, nicht nur das Fleisch, sondern auch Haut, Fell, Augen und Geweih.

Optisch war der Eintopf auch nicht unbedingt ansprechend, jedoch schmeckte er überraschenderweise wirklich gut.

Wir haben die Zeit bei den Rentieren sehr genossen und ich bin wirklich dankbar für diese Erfahrung.

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